Ich gehe davon aus, dass auf www.re-publica.de noch etwas aufgeräumt wird bzw.die Vorträge integriert werden. Auf spreeblick.com sind bereits einige begleitende Artikel entstanden. Insofern will ich nur meine persönlliche Sicht ergänzen, aus den ersten 2 Tagen, als ich da war. Den “Artikel” habe ich mehrfach in seiner Tonaliät geändert.
Direkt nach der Rückkehr aus Berlin empfand ich, dass der Kongress etwas mäßig war.
Mittelerweile denke ich, dass meine Erwartungen zu hoch waren. Denn nur 4 Personen haben mal eben nebenbei diesen Kongress (Verdreifachung zur vorherigen Veranstaltung) ins Leben gerufen. Kritik inbesondere an den Panels muss aber erlaubt sein.
Auf dem “Leitkongress” zum Thema Dialogmedien (~Social Media) muss das Publikum einbezogen werden. Das war nicht der Fall. In den Panels fehlte m.E. oft der rote Faden bzw. der Spannungsbogen. . Kontrovereser aber auch erkenntnisreich die Reaktion des Publikums auf das nicht zuhörende Panel (Medien im Wandel): digital wurde gezwitschert, dass sich die Twitterwall bog. Frech, provokant, lustig, unverschämt. Bei der Formulierung einer konkreten Frage am Mikrofon verschwand alle Eloquenz oder gar die Sprache. Mir war aber allerdings auch nicht klar, ob die Twitterwall zum Zwecke für Fragen an das Panel gedacht war. Aufgrund des mangelhaften WLANs und Dialogs hätte ich das WLAN ganz abgestellt.
Wie auch immer, es gab schwache und starke Vorträge.
Das Thema “Journalisten und Blogger” kam zeitweise hoch, fand aber keinen Diskussionsboden, da Vertreter der “klassischen” Medienmacher fehlten bzw. Alpha- Blogger m.E. es leid sind, über dieses Thema zu sprechen. Das fand ich mit Verlaub gesagt nicht schade. Was bei mir hängen blieb:
- 4Chan/ Moot
- Lawrence Lessig
- Digitale Identität
Chronolgisch husche ich mal etwas durch die Vorträge:
“Mapping the global blogosphere“: gute Visualisierung der Kommunikationshierarchien in verschiedenen “Kulturräumen”, sprich Ländern (Zensur bzw. Kontrolle großer Medienstationen war u.a. sichtbar). Offensichtlich wurde auch: die Analyse bzw. Interpretation muss jemand vornehmen, der die (Online-) Medienlandschaft “vor Ort” kennt. Interessanter Ansatz, knackige (kontroverse) Aussagen fehlten (Deutsche lieben einfache Zahlen zum einfachen zitieren).
Langweilig, muss aber gemacht werden: Ein Index für den Grad der Meinungsfreiheit nach Ländern im Internet. Fad der Vortrag über Hypemaschine.
zu 1.] Überraschend heftig, extrem souverän und strukturiert, der 19- Jährige “Moot” von und zu www.4chan.org (Vorsicht bei Besuch dieser Seite!). Ca. 400 Mio Seitenabrufe (nun plus 1) pro Monat…
Nutzer teilen annonym Bilder, die bei Irrelevanz nach einer gewissen Zeit wieder verschwinden (sprich keine Archivierung). LOLCats und Rickroll sind einige der “beständigen” Themen. Spannender Einblick in die (Ab-) Wege des Internets.
Nett, charmant, glaubhaft. IBM bzw. Ed Brill über “My career as a Corporate Blogger with in IBM”. Wer “intern” etwas zu sagen hat, kann auch in einen relevanten und glaubhaften Dialog mit “Externen” treten.
zu 2.] Dann gegen 18 Uhr: Perfekte Inszenierung von Lawrence Lessig (der Link führt zu einem Live- Mitschnitt seines Vortrags). Die Präsentation war sensationell dynamisch und extrem präzise vorbereitet. Der Spannungsbogen und die Dramatik waren aus meiner Sicht schon fast beängstigend. Denn die Zuhörer wurden durchaus in einen Rausch geredet. Nach einem Moment der Besinnung fragt man sich dann erst einmal wieder, was letztendlich inhaltlich gefordert wurde.
Im Kern ging es, kurz zusammengefasst, um die Lockerung bzw. Präzisierung (oder gar Abschaffung?) von Urheberrechten bei der kreativen (Wieder-) Verwendung von digitalen Materialien durch Dritte (”Remix”). Hauptargument für die Lockerung ist seines Erachtens der Anspruch an gesellschaftliche, kulturelle Entfaltung (er nannte auch Meinungsfreiheit in diesem Kontext) bzw. Kreativität (Produktiviät).
Durch die 2 Tage zog sich auch das Thema Datenschutz, Online- Identität, Privatsphäre.
Peter Schaar (Bundesdatenschutzbeauftragter): nett, sympathisch aber inhaltlich zu politisch denn auf Fakten/ Schlüsselprojekte ausgerichtet.
Netiquette für Social Networks: klang ruhig und oft auch etwas undynamisch, aber inhaltlich (nicht sprichwörtlich, leider) hat insbesondere Prof. Hendrik Speck auf die - moderat formuliert - Pauke gehauen. Faktisch fundiert stellte er den Umfang an Informationen gegenüber, die Social Networks sammeln und welche die Stasi früher festhielt. Laut Frauenhofer Institut sind diese Daten dort nicht besonders sicher. Daher arbeitet die Universität Kaiserslautern an einer Art denzentralsiertem open-source Social Network.
zu 3.] Der Vortrag von Tina Günther u.a. über Rollen der Akteure im Netzwerk. Inhaltlich kann ich nichts zusammenfassendes dazu sagen, da ich wie gesagt zu spät kam. Ihre Darstellungen wirkten aber strukturiert sehr systematisch und inspirierend, da ganz neue (soziologische) Sichten offenbart wurden. Der Vortrag in “gebundener” Form würde mich interessieren.
Das Panel zum Thema “Digitale Natives” - 2 erfolgreiche Schüler- Blogger und eine Ex- Lehrerin in der Lehrerbildung - offenbarte den Bruch im Wissen und Umgang mit neuen Dialog- (eventuell auch Lern-) Methoden zwischen Jugendlichen (und eigentlich der C64-er Generation) und “älteren” Lehrern und Eltern.
Johnnys Zusammenfassung rückt den Anspruch ins rechte Licht (der mir vorher nicht so klar war)
“Alles”(wenn es geht) noch einmal als Videos auf Make.tv.
P.S.: der Vortrag von Rishab Ayer Ghosh über “Collaborative Creativity and The Test of Time” war geschichtlich spannend und charmat präsentiert. Ich wußte nicht, dass James Watt “eigentlich” ein kkleiner Bill G. war … (das sollte man u.a. auch zwischen den Zeilen lesen).
